Dominik Irtenkaufs diabolischer Reisebegleiter ist eine Auseinandersetzung mit der Figur, dem Bild und Mythos des Teufels in Geschichte, Tradition und Literatur, und fungiert zugleich als Spiegel für die Abgründe und verdrängten Schatten in der Seele des Menschen. Diese Schrift möchte den Teufel aus dem Dunkel holen und ist gewissermaßen Plädoyer für die Rehabilitation eines zutiefst mißverstandenen Archetypus, der die Menschen seit jeher in der ein oder anderen Form beschäftigt oder auch heimsucht.


Aus dem Inhalt:

· Ein Handbuch des Teufels. Kleine Anleitung
· Aus Satans Retorte
· Was halte ich vom Teufel?
· Der Teufel steckt im Punkt!
· Der Widergänger oder: Gegen den Strich!
   Briefe an seine Mutter
· Des Teufels Adreßbuch

Dominik Irtenkauf
Der Teufel in der Tasche.
Ein Reisebegleiter in seine Welt

Edition Esoterick, Siegburg 2006
ISBN-13: 978-3-936830-20-0
ISBN-10: 3-936830-20-7
132 Seiten, Taschenbuch - Preis EUR 9,99

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Rezension von Thomas Manegold bei www.periplaneta.com

DOMINIK IRTENKAUF: Der Teufel in der Tasche
Ein Reisebegleiter in seine Welt

Der Untertitel verwirrt ein wenig, denn dieses Buch führt nicht zu den Stätten, sondern zu den Schriften, die von ihm zeugen. Keine Spurensuche, sondern Essays, Erzählungen und ein Briefzyklus über ... ja, wen eigentlich? Wer oder was ist der Teufel? Eher so etwas, wie wir aus dem Märchen kennen (dunkelroter, gehörnter Höhlenbewohner mit drei güldenen Haaren) oder doch der Widersacher des christlichen Gottes... nein, nichts von alledem...

...meint zumindest Dominik Irtenkauf und macht sich auf die Suche nach dem Archetypus, der hinter dem uns bekannten Teufel steckt. Er versucht also auch nicht, seine Existenz aus der christlichen Verdammung anderer Glaubensmuster allumfassend zu erklären, sondern geht, auch wie es Satanisten gern tun, von einem Urprinzip aus, welches den Teufel ausmacht. Vor Satan und Fegefeuer hat es außer den Zutaten zwischen Pan und Lucifer, zwischen Baphomet und den Bildern des HR Giger also etwas gegeben, das uns abhanden gekommen ist?

Irtenkauf sucht. Sein Reisen beschränkt sich dabei auf eine Fülle von Büchern und Schriften, die er durchkämmt, oft nur andeutend darauf Bezug nehmend, womit er einen relativ hohen Wissenstand bei seinen Lesern voraussetzt, sofern er überhaupt daran interessiert ist, daß sie ihm folgen können. Dazu einigermaßen imstande ist man nur, wenn man sich durch Werke, wie Dvoraks "Satanismus" oder den themarelevanten Nietzsche-Standards durchgebissen hat und diese stehen leider in sehr vielen Regalen nur aus Imagegründen und ungelesen herum...

Der Teufel mag der Schuttabladeplatz der Welt geworden sein. Der Mythos dahinter wird von Irtenkauf aus verschiedenen Postitionen beleuchtet. Die Erzählinstanz wechselt, die Textformen ebenfalls, was dem Buch einen etwas zerrissenen Eindruck verleiht, der aber wiederum nur zu gut zum Thema paßt. Denn auch der Teufel ist, wenn man Irtenkauf folgt, eine gebeutelte und zerrissene Gestalt... oder besser doch, ein Prinzip. 

Hat das Buch aber mit den Personifizierungen ein wenig aufgeräumt, steckt der Autor den Teufel in ein metaphorisches Gefängnis und läßt ihn Briefe an seine Mutter schreiben. Diese sind sehr gelungen, auch wenn man sich mit einem derartigen Bild vom Teufel im Knast weit aus dem Fenster lehnt. Doch genau aus dieser Position wird der Freiheitsgedanke hinter dem Mythos sichtbar und der Umstand, daß Stagnation der Tod ist und daß duales Denken die Wahrheit, nicht nur über den Teufel, nicht erfassen kann. 

Deutlich und nachvollziehbar wird die Unzulänglichkeit der dualen Welt, des Gut- Böse Korsetts, in welches man den Teufel allzugern zu zwingen versucht. Aber der läßt sich nicht zwingen. Er ist auch bei Irtenkauf nicht zu fassen. Er fängt sich selbst. Der Teufel ist nämlich ein Mann... und er hat ein ziemlich konservatives Frauenbild. Die Selbstbefreiung des Gehörnten hat also einen kleinen Haken. 

In Irtenkaufs Buch bekommt der Teufel aber viele neue oder doch zumindest modifizierte Gesichter: der kleine Kinimod, der Verführer, der Misanthrop, der Psycho... Auch des Teufels Adressbuch ist, wie soll es anders sein, kein übliches Büchlein mit Namen und Nummern, sondern eine lose Folge von Personen, Gestalten und Prinzipien und ihrer Beziehung zum Teufel. Dem folgt ein in zwei Verzeichnisse aufgeteilter Werkespiegel, den Irtenkauf zu Rate gezogen hatte und der als weiterführende oder auch entwirrende Lektüre geeignet ist. 

Insgesamt ist "Der Teufel in der Tasche" keine leichte Kost, aber ein sehr empfehlenswertes Buch für Menschen, die sich für diese komplexe Thematik wirklich interessieren und wissen, daß sie sich nicht hinter Totenschädeln und Horrormotiven verbirgt oder gar erschöpft. Wem aber nicht klar ist, daß Charles Baudelaire eben nicht "Florist", sondern ein Schriftsteller war, und diese Berufsbezeichnung in Irtenkaufs Buch eine Anspielung auf dessen "Fleurs du mal" darstellt, der sollte die Finger davon lassen... oder zumindest schon mal die Startseite von Wikipedia aufrufen. 

An besagtem Beispiel läßt sich ein entscheidendes Problem darlegen, denn Menschen, wie Dominik Irtenkauf wissen einfach nicht mehr, wieviele Artgenossen nachschlagen müßten, um selbst diesen Witz vom Floristen Charles zu begreifen, auch Menschen, die eine überdurchschnittliche Bildung haben, auch Menschen, die von sich denken, wissend zu sein, haben mitunter eine Allgemeinbildung, die Irtenkaufs offensichtliche Belesenheit nicht einmal tangiert. Ich kann nur sagen, daß es sich lohnt, dies zu ändern und "Der Teufel in der Tasche" dafür ein willkommener Anlaß sein sollte.

Thomas Manegold

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