Leseprobe aus "Das Satanische Leben"
©EDITION ESOTERICK 2013

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Mythos, Musik, Magie und das Mephistophelische
Warlock Les Hernandez

I.

Die Auffassung der Allgemeinheit darüber, was sie als „Satanische“ Musik erachtet, ist lächerlich. Die Medien würden auf Bands verweisen wie Deicide, Cannibal Corpse und ihren lärmenden, kaum verständlichen Death Metal als Symbol der niedersten und abscheulichsten Verschwörer gegen das normale Amerika und die fundamentalistische christliche Ethik. In ihrer krankhaften und verdrehten Wahrnehmung ist jede Band, die eine Abweichung von normaler, von der Herde akzeptierter und/oder Gospel-Musik zeigt, des Teufels und damit „Satanisch“. Solche Schlußfolgerungen sind nicht nur absurd und extrem, sondern ausgesprochen idiotisch und reine Dummheit!

Seit Jahrzehnten schon haben Heavy-Metal-Bands auf den Teufel zurückgegriffen, ohne Ihm jedoch bereitwillig Anerkennung zu zollen. Albumcover wimmeln von Pentagrammen, zusammen mit umgedrehten Kreuzen, getragen von halbgebildeten Kiffern, von Kopf bis Fuß in Leder gekleidet, in beschissene Jeans und Stachelnieten. Legionen junger Fans mit langen, fettigen Haaren, pickeligen Gesichtern und schlechten Zähnen, die bei jedem Rock-Konzert eifrig die Arme zum Cornu (Zeichen der Hörner) in die Höhe strecken, scheinen für die Uneingeweihten und Unintelligenten verschwörerischen Verbindungen von Heavy Metal und seiner höllischen Majestät Glaubwürdigkeit zu verleihen. Niemand fragt sich jemals: „Was sollte Satan mit solch einfach gestrickten, glanzlosen Personen wollen? Was würde Er gewinnen?“ Die wahre Antwort auf diese Frage lautet: „Absolut nichts!“

Metal und seine zahlreichen Unterarten sind nicht die einzigen Musikstile, die von der Allgemeinbevölkerung und medialen Tatsachenverdrehern als inhärent Satanisch mißverstanden werden. Death Rock, Gothic und Industrialmusik haben alle aufgrund von schwärmerischen Inhalten, die sich mit Themen wie Sex, Selbstmord, Vampirismus, etc. befassen, den Stempel des Teufels aufgedrückt bekommen. Bands wie Christian Death, Sisters of Mercy, Alien Sex Fiend, et al, wurden was Musik angeht gleichbedeutend mit dem Wort „Dunkel“. Ihre Musik, die viel bedrückender und atmosphärischer als ihre Metal-Gegenstücke ist, hat dazu geführt, daß paranoide Eltern und Schullehrer sich Sorgen darüber machen, ob mit allen Teenagern etwas nicht stimmt, die sich für solche Gruppen begeistern können. Sie nehmen fälschlicherweise an, daß der „dunkle“ Sound und die melodramatisch schwärmerischen Texte den Hörer zu Sittenlosigkeit, Drogenkonsum und letztendlich zum Selbstmord veranlassen. Sie sehen das alles als Werk des Teufels und schlußfolgern, daß das Musikgenre als solches inhärent Satanisch sein muß. Niemals kommen diese paranoiden Schwachköpfe auf den Gedanken, daß es vielleicht das Ergebnis schlechter Erziehung sein könnte, wenn ihr Kind Probleme hat! Und wieder einmal wird Satan zum Sündenbock gemacht.

Vielleicht werden Heavy Metal, Goth, Industrial und andere Arten von Musik aufgrund solcher Vorkommnisse wie der Columbine-Schießerei in ein schlechtes Licht gesetzt. Doch denkt irgend jemand mal daran, daß vielleicht Satanismus selbst in ein schlechtes Licht gesetzt wurde? Vielleicht möchte Satan nicht auf ein spezielles Musikgenre festgelegt werden? Hat irgend jemand mal überlegt, daß Er vielleicht einen besseren Geschmack hat?

Wenn man die historische Literatur der Romantik in den Werken von Autoren wie Twain, Milton, Corelli, Baudelaire, Voltaire, usw. betrachtet, wird der Charakter von Satan leicht erkennbar. Der literarische Satan, der Teufel und höchster rebellischer Geist, beginnt als des Himmels schönster Engel. Aufgrund seiner verschiedenen Attribute und Talente steht er über alle anderen seiner Art. Er ist voller Stolz – und sollte es auch sein! Er lehnt es ab, sich vor einem so niederen Tier wie dem Menschen zu verbeugen, da er sich seiner eigenen Leistung gänzlich bewußt ist. Er ist elitär. Er führt Krieg gegen seinen tyrannischen, heiligen Unterdrücker, und, obwohl er niedergestreckt wird und zeitweise außer Gefecht ist, erhebt er sich nach seinem Sturz, um sein eigenes Königreich aus dem zu erbauen, das als der Ort seines Exils gedacht war. Er erschafft sein eigenes Höllisches Imperium aufgrund des ihm eigenen hartnäckigen Willens und Verstands. Seine Maßstäbe sind die höchsten, nämlich der Inbegriff von Schönheit, Stärke und Scharfsinn.

In Marie Corellis The Sorrows of Satan finden wir Satan personifiziert in der Figur des Prinzen Lucio Rimanez. Diese Verkörperung charakterisiert den Prinzen der Dunkelheit als einen intensiven und leidenschaftlichen Liebhaber des Lebens mit einer Vorliebe für das Schönste und Ausschweifenste – die Vereinbarung des scheinbar Unvereinbaren. In einem Kapitel nimmt er an einem Piano Platz, und demonstriert seine musikalischen Fähigkeiten, indem er die leidenschaftlichste und emotionsgeladenste Musik spielt, welche die Anwesenden jemals zuvor gehört haben – so voller Gefühl, daß alle Zuhörer sogar Raum und Zeit vergessen und es einen bestimmten Zuhörer auch zu Tränen rührt. Die Musik bewegt sie und zwingt sie dazu, etwas zu fühlen, das sie sich sonst niemals gestatten würden. Aber was sollte man auch anderes von einem Wesen erwarten, das schon immer, seit Menschengedenken, ein Liebhaber der Musik war?

Eine der Wurzeln der Metapher unseres höchsten Ideals (sprich: Satan) ist der griechische Göttermythos des Pan. Der Lüsterne und Gehörnte, halb Mensch, halb Ziegenbock oder auch Satyr, der Eliphas Levis Baphomet gleicht, ist oft tanzend dargestellt, während er eine Flöte oder Querflöte spielt. Musik war seit jeher das Reich des Teufels. Pan wird später auch als der Rattenfänger von Hameln dargestellt – ein immer noch populäres Szenario bei Eltern und religiösen Spinnern, das Musik mit dem Teufel gleichsetzt, der ihre Kinder zu einem vorzeitigen Ableben führt.

In Amerika sagt man über Wegkreuzungen, daß sie eine Art Portal oder Vortex zwischen den Welten der Lebenden und der Toten seien. Diese Idee stammt von den frühen schwarzen Sklaven, die entweder Kenntnisse des Voodoo-Glaubens hatten oder ihn praktizierten. Schwarze Amerikaner waren auch die Vorreiter der frühen Bluesmusik. Irgendwann entstand der Glaube, was an die Geschichte des Faust erinnert, daß man den Teufel an Wegkreuzungen treffen und seine Seele mittels eines Pakts oder Vertrags verkaufen könnte. Dies wurde zu einem bekannten Mythos, der den legendären Bluesgitarristen Robert Johnson umgab. Johnson wartete angeblich an einer Wegkreuzung, wo Old Scratch erscheinen sollte. Der Gitarrist unterzeichnete einen Pakt mit seiner höllischen Majestät, im Austausch für die Fähigkeit, Gitarre spielen zu können wie kein anderer jemals zuvor, und Satan ließ ihn nicht im Stich, und begründete damit die Basis für neuere Mythen, um den Teufel und die Gitarre für immer zu verbinden. Noch heute wird Johnson als einer der größten Gitarristen der Geschichte erachtet. Die dunkle Kraft in seiner Musik geht noch immer unter die Haut.

II.

Wenn man jeglichen Mythos und alle Phantasie beiseite läßt, was ist echte Satanische Musik? Wahrhaft Satanische Musik ist nicht an ein einzelnes Genre gebunden, obgleich sie bestimmte, exakt definierbare Qualitäten aufweist, die sie besonders magisch macht, entweder auf der allgemeinen oder persönlichen Ebene – oder auf beiden.

Anton LaVey, der Begründer und erste Hohepriester der Church of Satan, war ein dahingehend ein Nekromant, daß er Musik wieder-belebte und für seine eigenen magischen Zwecke nutzte, die von den Massen längst als tot erachtet und vergessen wurde. Er brachte die wahren okkulten Melodien zurück – Musik von den 1920er- bis zu den 1940er-Jahren, die einst populär war, aber seit langem vergessen und den Feuern des Moloch überlassen wurde, was das Verständnis heutiger populärer Musik betrifft. LaVey erkannte, daß solche Musik eine Menge magisches Potential enthielt, das nur darauf wartete, genutzt zu werden. Er erkannte an, daß solche Musik bombastisch war – sie hatte die Macht, dich körperlich zu berühren; dich fühlen zu lassen. Es war echte Musik, die echte Tiefe beinhaltete. Das sind die Qualitäten, die Musik wahrhaftig Satanisch macht! Solche Eigenschaften finden sich in vielen Musikgenres, von Klassik über Jazz bis zu Oper, Blues, usw. Heutzutage kann man sogar auf eine handvoll frühe Metal-Balladen zurückblicken und das Satanische in ihnen erkennen, so wie in Judas Priests Before the Dawn und Beyond the Realms of Death.

Satanisten lassen sich keinem bestimmten Musikgenre zuordnen. Das persönliche ECI oder Emotional Crystallization Inertia[1], spielt eine große Rolle bei den musikalischen Vorlieben. Dieser im wörtlichen Sinne bestimmende Moment im Leben, in dem etwas „klick“ macht und von nun an ein Teil von einem ist, kann einen wirklich tiefgreifenden Effekt darauf haben, was man hört, schreibt, liest, und auf weitere Dinge. Jeder hat sein eigenes spezielles ECI, folglich wird ein Satanist sein oder ihr eigenes ECI zum Ausdruck bringen oder manifestieren, und nicht das, was andere Satanismus zuzuordnen versuchen.

Magus Peter H. Gilmore, derzeitiger Hohepriester der Church of Satan, hat ein Album auf CD mit dem Titel Threnody for Humanity veröffentlicht. Dieses Album ist ein herrliches, eindrucksvolles Klangerlebnis, ganz ähnlich wie eine Filmmusik. Vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet ist es in jeder Hinsicht ein Satanisches Album; dunkel, atmosphärisch, bombastisch. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, daß es ein Muß für jeden Ritualraum ist.

Magus Anton Szandor LaVey (1930-1997) veröffentlichte ein Album mit dem Titel Satan takes a Holiday. Wie Magus Gilmores Album, ist auch das von Doktor LaVey völlig Satanisch, insofern als es dunkel, emotional beschwörend und bombastisch ist; ein weiteres Muß für jeden Ritualraum!

Nebeneinander betrachtet, gehören beide Alben völlig verschiedenen Genres an. Gilmore hat seines selbst komponiert, während LaVey alte, vergessene Lieblinge spielt. LaVeys beinhaltet Gesang, während Gilmores instrumental ist. Völlig unterschiedliche Alben, völlig verschiedene Genres, und dennoch sind beide völlig Satanisch.

Dieselbe Art von Vergleich kann auch mit anderen Alben durchgeführt werden, die von Satanisten herausgebracht wurden: Tier Instinct, Hell Of All Hells, The Electric Hellfire Club und The Quintessentials. Alles unterschiedliche Genres, geschaffen von Satanisten, und jedes davon eine Manifestation des ECI des Komponisten.

Populäre Musik, die stets den speziellen Geist ihrer Zeit widerspiegelt, hat schon immer Elemente des Satanischen beinhaltet. Magistra Templi Rex Blanche Barton stellt dies perfekt in ihrem Buch The Church of Satan dar, so wie Reverend Gavin Baddelley in seinem Buch Lucifer Rising. Erstere listet im Anhang eine Fülle von Liedern auf, die aus verschiedenen Gründen als Satanisch erachtet werden, und diese Liste umfaßt verschiedene Musikgenres, einschließlich Klassik, Show-Melodien, Jazz, etc., während Letzterer sich sowohl mit wirklich Satanischer Musik, als auch mit Musik befaßt, die der Status quo als Satanisch erachtet, die es aber nicht ist. Ich ermutige den Leser, beide Bücher zu erwerben, für einen tieferen Einblick in die unentwirrbare Verbindung zwischen Satan und populärer Musik im Laufe der Geschichte.

Ich habe bereits festgestellt, daß Anton LaVey Musik als Magieform benutzte, und ihn einen Nekromanten genannt. In einem Interview mit der Washington Post vom 23. Februar 1986 c.e. wird beschrieben, wie LaVey in Anwesenheit von drei weiteren Personen in seinem Den of Iniquity[2] Musik spielt. Sie alle werden in diesem Moment in eine andere Zeit gezogen, ungefähr 1944, aufgrund der Verschmelzung von Requisiten, die der Doktor erschaffen hat – Mannequins in verschiedenen realistischen Posen in einer für diese Zeit passenden Bar – und der ausgesuchten Musik. Indem er sie alle auf realistische Art und Weise in die Vergangenheit transportiert, befördert Herr Doktor außerdem auf magische Weise die Vergangenheit in die Zukunft – eine Zukunft, in der das Beste aus der Vergangenheit bewahrt wird und Musik wieder wahrhaft Satanisch ist. „Es war ein starkes Satanisches Ritual“, wird LaVey zitiert. LaVey blieb des nachts auf und spielte seine Musik, um magisch zu arbeiten – und schlafenden Geistern seinen Willen aufzuerlegen. Er erkannte die Macht, die der Musik innewohnt, und wie Kunst als Werkzeug zur Suggestion verwendet werden kann, in einem wahrhaft magischen Sinne.

Ein Satanist ist sein eigener Gott. Als ein Gott sollte er natürlicherweise die Macht der Kreativität besitzen. Was taugt ein Gott letzten Endes, der nichts erschaffen kann? Ein Satanist hat die schöpferische Fähigkeit, seine Ideen durch verschiedene Medien physisch zu manifestieren. Dies wird im allgemeinen als Kunst bezeichnet.

Der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Allerweltskünstler und dem Satanischen Künstler besteht darin, daß der Satanist sich dazu entscheiden kann, seine Kunst als Ritual zu nutzen, mit einer bestimmten und gebündelten geistigen Absicht: Magie. Durch seine Kunst weiß der Satanist, daß er Veränderungen im Einklang mit seinem Willen herbeiführen kann, entweder so, wie Doktor LaVey es getan hat, oder durch öffentliche Ausstellungen und Auftritte, Veröffentlichung von Platten, etc.

Die große Masse der menschlichen Bevölkerung in der westlichen Welt besteht aus abgestumpften, von den Medien gefütterten Schafen, ganz egal, für wie schlau sie sich halten. Ob sie es nun wissen oder nicht, sie tun im allgemeinen das, was die Mainstream-Medien ihnen sagen. Das heißt, daß sie in der Regel nicht grade anspruchsvoll sind, wenn es um Dinge wie Kunst und Musik geht. Ein Satanist kann daher Musik oder Kunst als Werkzeug des Ästhetischen Terrorismus nutzen – und die Drohnen mit der unangenehmen Erkenntnis schockieren, daß die Welt nicht die nette Illusion ist, für die sie sie halten. Sie werden vielleicht dazu gezwungen sein, tatsächlich nachzudenken und über Ideen nachzusinnen, die sie ansonsten nicht gehabt hätten.

Ein Satanischer Songwriter kann Satanische Ideen leicht in seine Texte einbringen, ohne dabei das S-Wort zu benutzen oder irgend eine sichtbare Satanische Aufmachung. Diese Beispiele würden eindeutig in den Bereich der Niederen Magie fallen, wobei diese spezielle Methode in der Regel von der Masse als angenehmer empfunden wird. Das sollte deshalb nicht mit Bekehrung verwechselt werden, weil der Zuhörer einfach zum Nachdenken und ins Grübeln gebracht wird, nicht dazu, zum Satanismus zu „konvertieren“. Letztendlich sind wir als Satanisten geboren, nicht gemacht. Daher kann ein Satanist die Gemüter erfolgreich in Übereinstimmung mit seinem Willen durch Musik beeinflussen, um seine Umgebung angenehmer für ihn zu gestalten.

Ein Satanist kann Musik auch viel subtiler als Mittel der Magie einsetzen, ohne dabei überhaupt Texte oder offensichtliche Bilder zu verwenden – indem er auf die suggestive Macht eines Instrumentalstücks zurückgreift, um die Gefühle anderer zu beeinflussen, selbst wenn es sich nur um Hintergrundmusik handelt. Kaufhäuser nutzen diese Taktik seit Jahrzehnten, um Konsumenten zum Kauf ihrer Waren zu verführen!

Die drei vorgenannten Beispiele können unter den traditionellen Bezeichnungen Zerstörung, Mitleid und Liebe/Lust der Höheren Magie kategorisiert werden. Dies entspricht auch den drei Kategorien, die Doktor LaVey für Niedere Magie umreißt: Wunder (Zerstörung), Gefühl (Mitleid) und Sex (Liebe/Lust). Ästhetischer Terrorismus könnte dabei in die Kategorien Zerstörung oder Wunder fallen. Textliche Irreführung oder verdeckte Textmanipulation ohne offensichtlich Satanische Bilder fällt in die Kategorie Mitleid oder Gefühl. Instrumentalmusik, die genutzt wird, um Emotionen hervorzurufen, fällt in die Kategorie Liebe/Lust oder Sex. Alle drei können in unterschiedlichem Verhältnis vermischt werden, entsprechend dem persönlichen Geschmack und ECI desjenigen, der die Musik schreibt,  und genau abgestimmt auf das, was er erreichen will.

III.

Ich nutze alle drei Arten in der Musik, die ich spiele, aber durch das von mir gewählte besondere Genre, stütze ich mich stärker auf die ersten beiden beschriebenen Methoden, und kombiniere sie auch oft. Beim Punk Rock habe ich eine Balance gefunden, einerseits meinen Willen zu projizieren, um meine unmittelbare Umgebung zu ändern und sie andererseits mehr meinen Vorlieben anzupassen, dabei echte Satanische Ideen hervorzubringen (und damit populäre Mißverständnisse zu zerstören) und außerdem noch eine Menge Spaß zu haben!

Ich wählte Punk Rock nicht einfach nur, weil ich ihn mag, sondern auch, weil er viel mit Satanischen Werten gemeinsam hat. Ursprünglich ging es beim Punk Rock um Individualität und selbstständiges Denken, anstatt darum, einfach nur eine weitere Mediendrohne zu sein. Punk war selbstbezogen und rebellisch – es ging darum, nicht wohlgefällig zu sein und irgend einen Mist von anderen anzunehmen; ehrlich zu sich selbst zu sein und nicht sein zu müssen, was andere von einem erwarten und wie sie einen haben wollen. Musikalisch gesehen, hatte es eine Menge mit meinem ECI zu tun.

Da ich in den 70ern Kind war, verbrachte ich eine Menge Zeit allein in meinem Schlafzimmer mit meinem tragbaren JVC-Radiorekorder. Ich verbrachte ganze Tage damit, Songs aus dem Oldie-Sender zu hören und aufzunehmen. Ich bewunderte die Musik aus den 50ern und 60ern: Doo Wop, Girl Pop, Bands wie Buddy Holly and the Crickets, Bill Haley and the Comets, die Everly Brothers, die Beach Boys, Little Richard, Chuck Berry, etc. Ich genoß es, die Hardy Boys und Nancy Drew, Scoobie Doo und die Archies im Fernsehen zu sehen. 70er Pop Rock war überall und begeisterte mich in meinen bevorzugten Fernsehshows. Happy Days and Sha-Na-Na fügten meinen geliebten Oldies Ästhetik hinzu, so wie auch mein Lieblingsfilm in meiner Kindheit: Grease. In der sechsten Klasse hörte ich zum ersten mal Joan Jett and the Blackhearts, und war völlig fasziniert! Sie war wie die fleischgewordene Leather Tuscadero[3] mit einem kleinen Schuß Morticia Addams. Das war mein erster ECI-Moment.

In der siebten Klasse hörte und sah ich zum ersten Mal die Ramones. Es war in der Kabelfernsehshow Night Flight, und es war das Video zu dem Song Psychotherapy. Ich machte mehr von ihrer Musik ausfindig und kam nicht mehr von ihnen los. Sie besaßen alle Elemente meiner geliebten Oldies und verschmolzen sie mit lautem 70er Pop Rock und unglaublich verzerrten Gitarren, ganz ähnlich wie Joan Jett. Kurz danach begann ich, auch andere Punk-Rock-Bands zu hören und entdeckte die Misfits, die noch ein weiteres Element integrierten, von dem ich besessen war, so lange ich mich erinnern kann: Horror. Es war ungefähr zu dieser Zeit, als ich nicht nur anfing, mir selbst das Gitarrespielen beizubringen, ohne Gitarrenunterricht zu nehmen, sondern auch zum ersten Mal auf ein bestimmtes Buch stieß und es las, von dem ich mir sicher bin, daß es den Lesern bekannt sein wird: Die Satanische Bibel von Anton Szandor LaVey. Damals hätte ich nie gedacht, daß sich das alles zu etwas zusammenfügen würde, das so wichtig in meinem heutigen Erwachsenenleben geworden ist: Meiner Band, den Quintessentials.

Wie Johnny Ramone, erachte ich mich selbst nicht als Musiker – jedenfalls nicht im traditionellen Sinne. Ich nahm nie Unterricht. Ich habe niemals Musik in irgend einer akademischen Einrichtung studiert. Ich habe nie wirklich gelernt, Noten zu lesen, oder jemals einen Scheiß auf Musiktheorie gegeben. Dieses Zeug hat einfach nie mein Interesse geweckt. Ich habe das alles immer einfach nur für mich selbst gemacht – zu meinem eigenen Vergnügen, und um meine eigenen Ideen umzusetzen. Auf diese Weise kam der Satanische Aspekt ganz natürlich durch, sowohl in den Texten, als auch visuell.  Als Satanist neige ich dazu, Methoden zu verwenden, die von der Mainstream-Gesellschaft für gewöhnlich nicht akzeptiert werden, um meine Ziele zu erreichen. Das umfaßt auch meine Musik. Ich vermische Einflüsse, von denen viele denken, sie seien diametral entgegengesetzt.

Während einige keine Verbindung zwischen Satanismus und Punk Rock sehen können, mische ich beides und vereine es auf musikalischer Ebene, anstatt mit dem üblichen Metal-Stil konform zu gehen, den der Status quo in seiner Ignoranz mit Satanismus verbindet. Ich integriere auch Black Metal und Neo-Folk-Einflüsse in meine Musik. „Black Metal und Poppiger Punk gemischt?!“ Ja. Empört? Das kümmert mich einen Scheiß.

In einer Welt voller weinerlicher Emo-Bands in häßlicher Schlabberkleidung, die darüber singen, nicht akzeptiert zu werden, und rumjammern, ohne die Eier zu haben, etwas zu tun, um das zu ändern, schreibe ich Texte, in denen Stärke verherrlicht und guter Stil geschätzt wird. In einer Industrie, die von jedem, der eine Gitarre halten kann, erwartet, sich locker zu kleiden, Nietengürtel und Jeans zu tragen, spiele ich in einem schönen, schwarzen Anzug. Ich kann mich sowohl von monumentalen Black-Metal-Bands inspirieren lassen, als auch von poppigen Punk-Bands, die nur drei Akkorde benutzen – oder ABBA, wenn ich wollte! Wie der Doktor sagte: „Ich werde nie eines Musikers Musiker sein.“

Meine Zugehörigkeit zum Satanismus offen zu zeigen, mag für manche so aussehen, als würde ich mich selbst einschränken, indem ich anderen etwas zu wissen gestatte, das sie später benutzen könnten, um mich auszuschließen oder gegen mich zu verwenden. Bis heute ist dieser Fall noch nicht eingetreten. Ich habe meine Nische im Leben gefunden und fülle sie gut aus. Es ist beides, Spielerei und das echte Ding. Wie Anton LaVey sagen würde, es ist sowohl das Bild, als auch der Rahmen. Satanismus hat die Kassen des Christentums viel zu lange gefüllt. Man darf ihnen nicht erlauben, den Markt für meine Religion zu bestimmen. Wer wüßte besser, wie man Satanismus zu seinem eigenen Vorteil nutzt, als ein echter Satanist? Der ganze Medienhype auf der Welt kann nur gute Publicity sein.

Nun, warum tue ich dann, was ich tue?

Abgesehen davon, daß ich es genieße und Spaß dabei habe, ist es, um Die Satanische Bibel zu zitieren, „Leben nach dem Tod durch Verwirklichung des Egos.“ Ich mache mich selbst durch die von mir gewählte Art der Kunst unsterblich, und liebe jedes Stück davon. Meine Aufnahmen sind genau das: Aufzeichnungen – Aufzeichnungen davon, wer ich bin, durch die sich andere eines Tages an mich erinnern werden. Es ist ein völlig eigennütziges und selbsterhaltendes Unterfangen (Ich erhalte dadurch einen Teil meiner selbst.). Und ich spiele nur das, was ich selbst hören möchte.

Durch meine Musik überlebt meine Magie und verändert weiterhin die Welt ohne weiteres Zutun meinerseits.

Der wichtigste Grund, warum ich das mache, ist wahrscheinlich, weil ich es einfach liebe, meine eigene Musik zu spielen. Ich bin so weit gekommen ohne die Hilfe von MTV oder Unterstützung und Vertrieb durch ein Major Label. Ich würde es selbst dann machen, wenn es keine Fans geben würde, die meine Platten kaufen, obwohl ich nicht sagen kann, daß ich unglücklich darüber bin, daß sie es tun.



[1] Emotionaler Kristallisationsmoment: Ausdruck von Anton LaVey, der einen speziellen Moment beschreibt, in dem ein prägendes Erlebnis die dauerhafte emotionale Ausrichtung auf bestimmte (sexuelle) Vorlieben und Muster festlegt, Anm.d.Ü.

[2] Anton LaVeys Den of Iniquity (etwa „Sündenpfuhl“ oder „Lasterhöhle“) war ein Raum im Keller seines berühmten Black House in San Francisco, Anm.d.Ü.

[3] gemeint ist die amerikanische Sängerin italiensch-ungarischer Abstammung, Susan Kay Quatro, bekannt als Suzi Quatro, Anm.d.Ü.

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