Nihilistic Degenerator ist ein intensives Portrait verdrängter Realität: Eine brachiale Momentaufnahme, die zugleich Spiegelbild einer kaputten Gesellschaft, als auch die Demontage jedes moralinsauren Gutmenschentums ist. Fade Begriffe wie „Gesellschaftskritik“ greifen hier nicht und sind auch zu einfach, denn sie erfassen das subversive Wesen des Degenerators nicht.

     Stiff Chainey ist weder naiver Moralist, noch gutgläubiger Reformist. Er gibt keine selbstgerechten Antworten. Er will den gesamten Status Quo dekonstruieren. Die Gesellschaft und das Individuum erschüttern.

     In das narrative Zentrum rückt Chainey Individuen, die er als „Abschaum und Untermenschen“ bezeichnet. Es sind diejenigen Menschen der Masse, die sich dumpfer Befriedigung hingeben, die ihr Leben nicht als „Delikatesse“ begreifen wollen, sondern lieber der Lüge von Sicherheit erliegen und sich mit den vielschichtigen modernen Versionen von Brot und Spielen betäuben.

     Seine Vision ist tatsächlich die des Übermenschen, im Sinne eines selbstbemächtigten, frei denkenden Individuums, der sich keinem Massenzwang und keiner Sklavenmoral unterwirft. 

     
    
Im tiefsten Herzen ist Stiff Chainey ein ambivalenter Anarchist, der unpopuläre Meinungen und Ansichten vertritt. Er ist heimatlos, keiner Szene zugehörig, mit einem sehr eigensinnigen, aus diversen Subkulturen inspirierten Stil. Die transgressive Natur seiner Werke polarisiert und stößt manchen unbedarften Leser ab.

     Niemand hat jemals behauptet, Stiff Chainey schreibe für den Mainstream. Er schreibt für, wie er es nennt, a few outstandig individuals, die seine Vision teilen.

Stiff Chainey
Nihilistic Degenerator.
Von Abschaum und Untermenschen
Vorwort von Thomas van de Scheck
Edition Esoterick, Siegburg 2009
ISBN-10: 3-936830-36-3
ISBN-13: 978-3-936830-36-1
Paperback, 148 Seiten

Preis: EUR 16,90

Leseprobe..........Inhalt

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Stimmen zum Buch

Dr. Mark Benecke, 30. 07. 2010

Whow! Die kurzen Geschichten von Stiff Chainy fühlen sich an wie ein harter Hieb auf die Nase, gekoppelt mit je einem Kickboxtritt in Niere und Leber. Seine Figuren sind Monster, aber irgendwie sympathisch. Sie wurschteln sich durch ihre verhagelten Welten und am Ende geht alles so gründlich schief, dass selbst der schlimmste Liebeskummer dagegen noch eine Waldlichtung im morgendlichen Frühlingslicht ist.

Eine von Chainys Figuren will bizarrerweise dabei gewesen sein, als Witkin in einem Krankenhaus ein Foto macht, drei andere nehmen eine Substanz, die zwar Black Butterfly heißt, aber keineswegs gothische Gefühle fördert, sondern nur das schlechteste heraufbeschwört, das eh in schon durch die Story waberte.

Chainys Text-Wendungen sind rasant. Er verschwendet keine Silbe, und wo er sich angesichts seines gewaltlastigen Sujets auch nur im geringsten einer textlichen Platitüde nähern könnte, reißt schon ein brennender Öltanker die gesamte Hafenstadt in Schutt und Asche. (Nicht wirklich -- das war jetzt nur ein Sinnbild.) Ich habe so etwas noch nie gelesen. Dass Chainey es dabei schafft, nicht als Besserwisser, der auf die Menschheit starrt, dazustehen, sondern als ehrlich verzweifelter, sehr gut schreibender, blitzschneller und vollendet brachialer Autor nicht nur die Wurst vom Brötchen zu ziehen, sondern gleich die ganze Bäckerei (samt Brotbelägen) für immer in einer Grube zu versenken, das erfordert viel mehr als sein großes, schriftstellerisches Können, sondern obendrein noch Lebensvorlagen, die ungefähr so lieblich gewesen sein dürften wie glühende Schmiedeeisenstangen im Rachen einer fiebernden Person. Chapeau -- der Begriff "Höllenritt" hat für mich eine neue Bedeutung.

Virus Magazine 6/09 Oktober-November 2009

Triggerfish.de / Andrew Uhlemann 14.10.2009

Kinder raus, Warmduscher setzen!
Stiff Chainey is back in the house und mitgebracht hat er uns 12 Geschichten aus der Pathologie. Die Story- Überschriften erinnern etwas an den Film Sieben von David Fincher, in dem der Reihe nach die sieben Todsünden von einem besessenen Serienmörder abgearbeitet werden.

Im „Nihilistic Degenerator“ werden den Stories ebenfalls Attribute vorangestellt, wie Faszination, Schönheit, Kunst, Wahrheit, Gier, Schmerz, Blut, Schmutz, Vergeltung, Tod und Unschuld, und alleine dieser Wort-Reigen lässt den Leser schon etwas erschaudern, denn er deutet irgendwie in Richtung auf etwas Böses hin und so geht es dann im Buch auch – wie von Stiff Chainey gewohnt – „schwer“ zu Sache.
Seinem Untertitel „Von Abschaum und Untermenschen“ machen die Storyprotagonisten alle Ehre, und das ein oder andere Mal bleibt dem Leser das Grinsen doch im Halse stecken, selbst wenn man auf Trash-Kultur steht.

Besonders derbe ist die Geschichte „Vergeltung - Der Ring der letzten sechs“ bei mir eingeschlagen, denn es geht um bloße Gewalt und Erniedrigung unter Jugendlichen, in einer sich nach unten windenden Spirale der unvermeidlich erscheinenden Entwicklung bis zum bitteren Ende.
Ein bekanntes Phänomen, vor dem man bestimmt nicht die Augen verschließen sollte, aber genauso ungern wie man früher selbst eins auf die Fresse bekommen hat, möchte man eigentlich solche Geschichten lesen, in denen genau das detailgetreu beschrieben wird, zumindest dann nicht, wenn der „Gute“ verliert und nur kassiert. Noch mehr in Frage stellt man dann solche Geschichten, wenn zeitgleich mit dem Lesen dieser Geschichte in München oder anderswo mal wieder ein nettmenschender Helfer von Jugendlichen wahllos zusammengetreten und totgeschlagen wird. Da springt dann die Realität wie ein Blitz über in die Phantasie und das Weiterlesen wird echt schwierig.

Unterm Strich ist „Nihilistic Degenerator“ im Gegensatz zu den „Tales from the Backseat“ ausgearbeiteter,  strukturierter und ergreifender geschrieben. Ebenso das Korsett der oben beschriebenen und durch Zitate aus der Literatur ergänzten Themenattribute sorgt zwangsläufig für eine gesteigerte Tiefe.

„Nihilistic Degenerator“: Wer zufällig an das Buch gerät wird es in den meisten Fällen nicht durch schaffen, wer auf genau so was steht, wird voll bedient, sollte aber seinen persönlichen Grat zwischen Phantasie und Realität beständig hinterfragen, nur so aus allgemeinen Sicherheitsgründen, damit ja nichts passiert.

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